Minimalismus leben in der kleinen Wohnung

Wandregal selbst gebaut: Mit Boards viel Platz gespart


Ich besitze kaum konventionelle Möbel. Einen Schrank habe ich gar nicht. So etwas würde meine kleine Wohnung nur zustellen. Mir würde dann einfach Raum fehlen. Als Alternative hierzu nutze ich hoch hängende Wandregale, in denen ich das Gros meiner Dinge verstaue und die ich selbst gebaut habe. Auf diese Art kann ich die Fläche meiner kleinen Wohnung maximal nutzen, ohne alles zu zu stellen.

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Als durchaus minimalistisch veranlagter Zeitgenosse möchte man am liebsten sehr wenig besitzen – mit einer kleine Ausnahme: Luft Platz Raum! Davon könnte es natürlich durchaus mehr geben. Dummerweise kostet eine entsprechend große Wohnung insbesondere in den Großststädten immer mehr Miete, sodass nicht wenige Mieter zum kleineren Wohnraum greifen müssen.
Auch bei einer winzigen Einraumwohnung kann man sich hierbei jedoch mit einem Trick behelfen: Hoch hinaus lautet hier das Motto. Will sagen: Die eigenen Besitztümer müssen einfach an den Wänden unter gebracht werden, statt sie auf dem Boden zu stapeln. Man sollte sie nicht in Schränken oder Regalen lagern, welche man auf den Boden stellen muss, und die enorm viel Platz einnehmen, wonach die Zimmer dann eng, winzig und beengt wirken. In meiner Wohnung steht ein Schreibtisch, ein kleiner Schreibtischschrank mit Schubfächern, ein Sofa, eine Matratze an der Wand und ein Stuhl. Fast alle anderen Dinge lagere ich in Boxen über meinem Kopf: Nämlich auf hoch installierten Wandregalen, welche ich unter der Decke entlang der Wände geschraubt- und selbst gebaut habe:

Borads an den Wänden

Ich habe also genügend tiefe (40 cm) wie auch breite weiße Boards aus Holz oben über den Türen an die Wände geschraubt. Durch den Selbstbau ist eine passgenaue und individuelle Lösung möglich. Hier haben dann zum Beispiel viele Textil-Klappboxen aus dem Ikea ihren Platz. Und darin lagere ich den Großteil meines Besitzes (zusammen gelegte Kleidung, Kleinkram). Der Boden bleibt frei. Ich lege sehr viel Wert darauf, dass der Fußboden möglichst wenig zugestellt wird. Hier schaut man ständig hin. Ist der Boden frei, eröffnet sich einem rein visuell schon viel mehr Platz. Würden hier Schränke oder Regale stehen, so eröffne sich einem bei solch einem Anblick ein ganz anderes, nämlich beengtes, Bild.

Freilich kann man in diesen Wandregalen auch größere Kisten lagern. Für meine eigenen Dinge sind diese kompakten Faltboxen jedoch ausreichend. Es gibt allerdings eine Voraussetzung für solche hoch gehangenen Wandboards: Man selbst sollte schon als recht große Statur gewachsen sein, damit man auch ohne Leiter an die Lagerboxen gelangt. Ansonsten macht die Sache wenig Spaß. Denn hier bringe ich in den Deckenregalen ja mitunter auch Dinge unter, an die ich täglich heran muss – z. B. an eben meine Kleidung. Ich bin nun ein recht hoher Bursche und komme einfach an meine so hoch gelagerten Dinge heran, ohne mich auf die Zehenspitzen stellen zu müssen. Mann kann sich aber auch einen zusammenklappbaren Tritt an die Seite stellen und diesen immer hervor holen, wenn man an die oben gelagerten Dinge heran möchte.

Stauraum auf Hängebrettern

Hier sind nun die weißen, hölzernen Hängebretter aus einer anderen Perspektive gesehen. Die breiten Boards sind in meiner Wohnung also übers Eck entlang zweier Wände installiert. Sie bieten sehr viel Stauraum und ersetzen mindestens einen großen Schrank, mehr noch zwei! Diese Alternative zur konventionellen Lagerung bringt den großen Vorteil, dass der Fußboden völlig frei bleibt! Der Raum wirkt durch diesen Trick wesentlich größer, obwohl sich weiterhin alle Gegenstände in ihm befinden – nur eben oben gelagert. Ich bin groß genug und kann (auch ohne mich auf die Zehenspitzen stellen zu müssen) die Kisten von oben einigermaßen bequem nach unten ziehen, wenn ich an deren Inhalt heran möchte. Nach einiger Zeit weiß man auch, wo sich welche Box befindet bzw. wo was enthalten ist. Hier muss man freilich nach System sortieren. Man könnte hier auch kleine Schilder auf diesen IKEA-Boxen anbringen. Doch das sähe mir dann irgendwie aus wie im Kindergarten. Mittlerweile weiß ich genau, was sich wo in welcher Kiste oben auf den Boards befindet.

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Bei dem Holz für die Wandregale handelt es sich um die günstigsten Bretter, die man im Baumarkt erwerben kann: einfache, unbehandelte Holzplatten. Zunächst meinte ich, diese Holzoptik würde doch eine gewisse Wärme hinein in das Wohnzimmer bringen. Tatsächlich sah meine kleine Wohnung damit dann aus wie das Lager einer Werkstatt. Also strich ich meine Regalböden einfach mit weißer, matter Wandfarbe an.

Regalböden mit Laser-Wasserwaage anbringen

Auf diesem Foto sieht man diese Bretter für mein Wandregal noch im Rohzustand. Zur Installation nutzte ich eine Laser-Wasserwaage. Insbesondere, wenn das Regal übers Eck montiert werden soll, ist solch ein Hilfsmittel, wie man sieht, äußerst praktisch. Ansonsten muss man sich bei der Installation mit einer Mauerschnur behelfen. Das gibt dann aber Probleme, wenn es über die Zimmerecke geht. Hier müssen die Winkel an der einen Wand in genau der selben Höhe montiert sein wie an der anderen Wand. Zur Not nimmt man einfach eine möglichst lange Wasserwaage und macht an den Wänden entlang Punkte. Was selten Erfolg bringt: Wenn man mit einem Zollstock einfach je den Abstand zur Decke oder zum Boden misst. Denn oft sind Decken und Wände nicht genau gerade, was man vorher aber nicht sieht. Die Bohrlöcher zur Montage der Winkel für die Wandboards sind dann aber in unterschiedlicher Höhe markiert. Geringe Unterschiede lassen sich jedoch auch nicht vermeiden, wenn man eine solche Laser-Wasserwaage nutzt (aus eigener Erfahrung). Dann kann man dickere Pappe zum Ausgleich zwischen Winkel und Holz legen, bevor man letzteres fest verschraubt. Weiterhin ist darauf zu achten, dass die Holzböden später zwischen zwei Wandwinkeln nicht durchhängen! Also lieber einen Winkel zu viel als zu wenig befestigen.

Zudem bedarf es durchaus stabile Metallwinkel zur Montage! Diese halten die Bretter sicher, auch wenn schwerere Gewichte darauf platziert werden. Laut Baumarkt halten die Winkel, die ich nutze, bis zu 50 Kg aus. Darauf möchte ich mich jedoch nicht verlassen: Anfangs beobachtete ich genau, ob hier nicht etwa etwas nachgab. Schwerere Kisten stelle ich auch nie in die Mitte der Holzbretter sondern immer über die Winkel selbst.

Weiterhin sei zur Montage geraten, dass man ordentliche Dübel für die Wände verwendet. Seien Sie nicht so geizig (wie ich früher): Kaufen Sie sich gute Dübel von z. B. Fischer.

Dübel von Fischer

Insbesondere bei Wandboards, auf denen darüber eine Last liegt und darunter vielleicht in der Nacht Sie, sind qualitativ hochwertige Dübel sehr, sehr wichtig! Auf der Verpackung von z. B. diesen Dübeln von Fischer (Typ „UX“) steht deutlich, welchen Bohrerdurchmesser Sie nutzen sollten und welche Schrauben (Durchmesser) hier passen. Die Dübel auf dem obigen Foto sind an sich von hoher Qualität. Für tiefe Wandregale (bzw. für deren Winkel) sind sie jedoch viel zu klein bzw. kurz (3 cm). Es sollten dann schon mind. 6 cm lange sein.

dünne Wandleitern

Als Alternative zu großen Metallwinkeln könnte man auch mehrere dünne Seitenteile nutzen bzw. an die Wände schrauben. Hier müsste man dann aber durchgehende Bretter einschieben. Ich nutze diese Wandleitern nur für kurze Boards bzw. für geringe Gewichte.

Möchten Sie einen Bilderrahmen aufhängen, dann nehmen Sie ruhig irgendwelche Dübel und Schrauben aus dem MacGeiz. Das wird gut funktionieren. Bei solchen Hängeregalen sieht dies schon wieder anders aus. Hier muss eine gewisse Sicherheit bzw. Stabilität gewährleistet sein. Auch die Bohrlöcher sollten so in die Wände gebohrt sein, dass sich der Dübel gerade so mit einem Hammer einschlagen lässt. Hier muss wirklich alles fest sitzen (nicht vergessen, den Bohrstaub auszusaugen). Weiterhin sollten Sie tatsächlich alle (drei) Löcher zur Montage nutzen bzw. bohren.

Übrigens: Im Baumarkt sind diese Metallwinkel sehr teuer. Ich kaufte jene viel günstiger (ca. 3,5 € / Stück) beim lokalen Metallfritzen in der Stadt. An den Enden meines Regalsystems montierte ich einfach Kanthölzer (siehe Foto). Bei diesen Leisten ist darauf zu achten, dass sie mit ihrer weniger tiefen Seite an die Zimmerwand geschraubt werden (wieder mit je drei genügend langen Schrauben und mit qualitativ guten Dübeln). Legt man Sie mit der falschen Seite an die Wand, dann drohen sie irgendwann abzuklappen!
Weiterhin besorgte ich mir Abdeckkappen für die Schraubenköpfe: Das sind kleine, weiße Plastikplättchen, die man auf die Schraubenköpfe drückt. So sieht meine Hängergal-Konstruktion zwar immer noch nicht richtig edel aus. Doch hat sie so nicht mehr den Anschein eines Werkstattlagers.
Schöner wäre das ganze natürlich mit etwas massiverem Holz und mit echten, schönen Holzwinkeln. Doch auch so bekommt man für wenig Geld und relativ wenig Aufwand all seine (wenigen) Dinge gut verstaut und muss sich die kleine Wohnung nicht zustellen.

ein selbst installiertes Wandregal

Und hier noch ein Foto von einem anderen selbst installierten Wandregal. Auch dieses ist genau auf die Breite der Wand zugeschnitten und mit Metallwinkeln montiert. Hier verwendete ich etwas kleinere Winkel (25 cm Tiefe statt 30 cm Tiefe). Als Bretter wählte ich diesmal (nicht ganz so tiefe) Regaleinlegebretter aus dem Baumarkt (Tiefe: 30 cm). Schön wäre natürlich ein gänzlich durchgehendes Brett gewesen. Die gibt es in dieser Länge aber nicht. Auf einem der Winkel treffen also zwei der Boards zusammen. Insbesondere dieser Winkel muss genau in der Mitte sitzen.
Solch eine Konstruktion ist natürlich als Bücherregal sehr zu gebrauchen. Wie man sieht, lagere ich darauf aber noch andere Dinge. Die schwereren Objekte (Drucker, Anlage) habe ich je genau über einem der Montagewinkel platziert. Die schweren Lautsprecherboxen stehen je an den beiden Enden des Wandboards über den Kanthölzern.

Meine Wandregale, die exakt auf den Raum zugeschnitten sind, ersetzen mir Bodenregale und Schränke. Eine Kommode benötige ich so auch nicht. Dadurch, dass hier alles nach Oben verlagert ist, gewinne ich Raum, Platz, Bodenfreiheit! Das kleine Zimmerchen wirkt somit viel aufgeräumter und größer. Zuletzt noch einmal der Hinweis:

Wenn Sie unter solchen Wandregalen Ihr Bett stehen haben, vergewissern Sie sich unbedingt, dass die Konstruktion über Ihnen auch hält! Verwenden Sie zur Montage nur Qualitätsdübel und die genau hierfür genügend langen Schrauben. Bohren Sie die Löcher so, dass die Dübel gerade so hinein passen und kein Spiel haben.

Einen kleinen Nachteil hat die durchgehende Konstruktion aber noch: Insbesondere bei Altbauten sind die Wände manchmal nicht richtig gerade! Das bedeutet, dass dann ein Spalt hinter den Brettern nicht zu umgehen ist. Sie liegen teils also nicht exakt an der (krummen) Wand an. Bei mir ist das der Fall. Man sieht dies aber nur, wenn man sich darunter stellt und nach oben schaut. Es stört mich nicht sonderlich.

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Artikeldatum: 1.04.2018 / letzte Änderung: 6. September 2018

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eine Anmerkung bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Der Autor (Thomas) ist durchaus auch ein Freund des Du und freut sich über Kommentare.



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