Minimalismus leben in der kleinen Wohnung

Digitaler Türspion mit Smartphone und WLAN: Handy als IP-Cam


Ein digitaler Türspion kann recht simpel aus einem alten Smartphone „hergestellt“ werden und zwar mit einer App und etwas Haftkleber. Dank Wifi wird das Bild drahtlos an ein anderes Handy oder auf den Smart-TV geschickt. Sogar ein Bewegungsmelder ist integriert. Aber Obacht! Dies ist in Deutschland nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt.

Ich bin eine faule Haut: Ich lümmele den halben Tag auf dem Sofa herum. Schalte ich so auf dem Smart-TV durch die TV-Programme, durch Youtube und durch andere Anbieter, klingelt es plötzlich an der Türe! Was tue ich? Aufstehen und zur Türe gehen? Ich bin ein bequemer Zeitgenosse – Ich schalte mit der Fernbedienung um auf meinen digitalen Türspion und sehe das Bild direkt auf dem Fernseher. Denn dank Wifi (W-LAN) sind beide Geräte ja drahtlos miteinander verbunden und ich kann bequem auf dem TV sehen, wer mich da zu stören wagt:

das IP-Kamera-Signal auf dem Smart-TV

Keiner da. Muss wohl ein Klingelstreich gewesen sein. Na Gott sei Dank, dass ich nicht aufgestanden bin!


Ein wichtiger Hinweis: Ich hatte mir meinen elektronischen Kameraspion als Test installiert und danach wieder deinstalliert. Denn so etwas ist in Deutschland nicht erlaubt, wenn man – wie hier – ein Treppenhaus filmt, welches auch durch andere, fremde Personen genutzt wird. Die Hinweise in diesem Artikel sind ausdrücklich nur für elektronisch zu überwachende Wohnbereiche gedacht, die privat sind!


Das Smartphone hinterm Türspion befestigen

Ich hatte also mit etwas Haftmasse ein ausrangiertes Smartphone einfach an der Tür genau hinter dem Spion fixiert:

Haftkleber von UHUUhu Patafix Haftkleber

Diese „Patafix Haftmasse“ von Uhu hält meinen neuen digitalen Türspion schon einmal sehr fest an der Haustür und man kann das Smartphone später durchaus wieder spurenfrei entfernen. Für die Dauer würde ich hier jedoch viele Klebepunkte mehr setzen (fest andrücken nicht vergessen).

ein Smartphne vor dem optischen Türspion

Das Smartphone wird zunächst also direkt mit der Kamera vor dem optischen Türspion fixiert. Mit der normalen Kamera-App kann man nun freilich schon etwas sehen und der optische Spion wurde sozusagen zu einem digitalen aufgerüstet – zum Nulltarif, wenn Sie noch ein altes Smartphone in der Schublade haben.

Der einzige Vorteil hierbei wäre vielleicht, dass die Person draußen gegenüber (dank nun fehlender Lichtänderungen) auch nicht von außen sehen kann, dass ich von innen hindurch, also eher auf das Display, schaue. Aber so etwas brauche ich nicht, da es bei mir daheim im Flur meiner kleinen Wohnung eh ziemlich dunkel ist. Aber ich kann dieses Bildsignal natürlich auch auf ein anderes Gerät (App oder TV) übertragen. Doch dazu gleich mehr.

der digitale Türspion an der Tür

Mein neuer digitaler Türspion (eigentlich ein nicht mehr genutztes Smartphone) ist solide dank der Haftmasse an der Tür fixiert worden. Sicherlich kann ich nun auch direkt über das Handy-Display schauen, wer denn da gerade vor der Türe steht.

Drahtlose Bildübertragung dank WLAN

Rein technisch ist das alte Smartphone nun eine IP-Kamera: Diese Dinger besitzen nämlich eine integrierte Kamera und ein WLAN-Modul – also ideale Voraussetzungen, um sie (bzw. eigentlich nicht mehr gebrauchte Smartphones) zur sehr günstigen IP-Kamera um zu funktionieren. Als Software kommt die bekannte App IP Webcam ins Spiel. Diese App ist kostenlos, sehr gut konfigurierbar und in den Grundfunktionen völlig ausreichend für den Einsatz als digitaler Türspion. Voraussetzung: Das Handy an der Tür muss sich zunächst ins hauseigene WLAN-Netz einwählen, denn wir wollen das Signal ja drahtlos übertragen:

ein Router die FritzBox

Das ist ein Router: Hier die bekannte „FritzBox“. Zum einen muss der Sender (der digitale Türspion bzw. das Smartphone) mit dem Router via Wifi (WLAN) verbunden sein. Zum anderen muss auch der Empfänger damit verbunden sein:

Das Bild des digitalen Spions ohne Kabel auf verschiedenen Endgeräten betrachten

Steht die Verbindung Spion-Smartphone → Router, dann lässt es sich auf den unterschiedlichsten Geräten kontrollieren, die ebenfalls im WLAN angemeldet sind. Es ist hierzu also kein Kabel notwendig:

Auf einem anderen Smartphone ansehen

ein Smartphone mit der IP-Webcam-App

Und dies ist ein solcher Empfänger: Einfach ein anderes Smartphone. In dessen Browser wird einfach die IP-Adresse des digitalen Türspions eingetragen (also die des Smartphones mit der IP-Kamera-App). Und dann hat man das Livebild mit Sicht durch den Spion direkt auf dem Handy-Display – und zwar natürlich ohne ein Kabel verwenden zu müssen.

eine Kameraüberwachung mit dem Smartphone

Vielleicht haben Sie ja noch ein weiteres Handy, welches Sie nicht mehr benötigen? Dann kann dieses als Gegenstelle dienlich sein – so wie auf diesem Bild. Hier nutze ich als App den VLC-Player für Andoid, denn auf diesem kann das Videosignal des Spions ebenfalls sehr gut abgespielt werden. Vorteil: Man hat ein Vollbild und das Display bleibt permanent an. Allerdings geht dies auch mit dem Browser.

Bitte beachten Sie hierbei auch die rechtlichen Bestimmungen!

Im Browser auf Laptop und PC anzeigen

IP Kamera am Laptop ansehen

Das Signal des elektronischen Türspions lässt sich natürlich auch am Browser des Laptops begutachten. Beachten Sie hier auch die Regler, mit denen Sie die Qualität und die Helligkeit steuern können.

Sogar eine rudimentäre Nachtsicht ist hier einschaltbar. Diese ersetzt allerdings keine echte Nachtsichtkamera. Zu diesem Fenster gelangt man einfach mit dem Browser, in dem Sie einfach die IP-Adresse der Kamera eingeben. Diese Adresse wird stets auf dem Display des (Sender-) Smartphones angezeigt, wenn Sie dieses aktivieren.

Im VLC-Player abspielen

Vielleicht kennen Sie den bekannten Videoplayer „VLC“ (Video LAN Client). Ursprünglich wurde er dafür entwickelt, Streams im Netzwerk abzuspielen – und genau dies tun wir ja:

Signal der IP-Kamera auf dem VLC-Player

Zuvor muss man noch die Netzwerkadresse des Streams im VLC eintragen:

VLC-Player IP-Adresse eingeben

Geben Sie hier einfach ebenfalls die IP-Adresse Ihres neuen digitalen Türspion ein bzw. die, die das Smartphone auf dem eigenen Display anzeigt. Am Ende fügen Sie noch ein „/video“ mit ein, wie auf dem Screenshot ersichtlich. Diese Adresse wird Ihnen übrigens auf dem Smartphone angezeigt (bzw. in der App „IP Webcam“), welches direkt am Türspion installiert ist, wenn man das Display anschaltet.

Den Türspion auf dem Smart TV und Kodi sehen

Richtig interessant wird es aber erst, wenn Sie das Videosignal des Spions an Ihren Smart-TV übertragen können:

die IP-Kamera über Kodi ansehen

Ich nutze das Mediencenter „Kodi“, welches jeden Monitor / Fernseher zum Smart-TV macht. Kodi muss dann auf z. B. einem Raspberry Pi oder auf einem Amazon Fire Stick installiert sein. Zusätzlich benötigt man noch das Addon „IP Webcam Monitor„, welches man in Kodi installieren muss.
Wie auf dem Bild zu sehen, habe ich mir bei meinem Skin (Arctic Zephyr“) einen Menüpunkt zu eben diesem Plugin gleich auf der Startübersicht erstellt und kann somit mit der Fernbedienung direkt auf meinen digitalen Türspion zugreifen.

digitaler Türspion in Kodi anzeigen

Nun erscheint das Videosignal so, als wäre es ein beliebig anderer Stream! Beachten Sie auch die eingespiegelte Akku-Anzeige. So hat man den aktuellen Akku-Stand des elektronischen Spions bzw. des Smartphones stets im Blick. Denn dies (der Stromverbrauch) ist natürlich das größte Problem, wenn man ein Handy als IP-Kamera nutzen möchte. Nochmals der Hinweis: Solch eine Kameraeinstellung (nicht privates Treppenhaus filmen) ist in Deutschland nicht gestattet.

Anstelle von Kodi eignen sich vermutlich auch andere Smart-TV Anwendungen. Wichtig ist hierbei, dass der Fernseher mit dem Router verbunden werden kann (mittels Wifi / WLAN) oder einfach via LAN-Kabel. Als nächstes muss es eine Option geben, einen Stream (das Videobild der IP-Kamera) auf Basis einer eingegebenen Adresse (IP-Adresse) abspielen zu können. Ich habe jedoch nur Erfahrungen mit dem Mediencenter Kodi. Hier funktioniert (dank Plugin) die Anbindung der IP-Kamera bzw. des Smartphones. Hat Ihr Smart-TV einen Browser (ich glaube, die Xbox hat so etwas zumindest), dann rufen Sie dort einfach die Adresse im Browser auf.

Problem: Stromversorgung

Solch ein Smartphone, welches nun dank der App permanent als IP-Kamera fungiert, verbraucht ständig Strom. Eine Akkuladung wird hier nicht lange reichen.
Es ist also empfehlenswert, dass Sie sich hier ein langes USB-Kabel an der Tür verlegen, welches das Smartphone permanent mit Strom versorgt bzw. an einem Ladegerät angestöpselt ist. Doch dies wird bei „normalen“ digitalen Türspionen nicht anders sein.

Nachtsicht

Vielleicht wünscht man sich auch einen Nachtmodus. Meiner Erfahrung nach funktioniert dies hierbei jedoch schlecht:

Nachtmodus des digitalen Türspions

So schaut das Bild meines digitalen Türspions im Nachtsicht-Modus aus. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Meine Handykamera ist hierzu schlicht von der Hardware nicht geeignet und da bringt die entsprechende Einstellung in der IP-Kamera-App (Belichtungskorrektur) kaum ein gescheites Bild. Wird im Hausflur jedoch nachts das Licht angeknippst, hat man freilich wieder ein helles Bild.

Ton- und Mikrofonübertragung: Mit dem gegenüber sprechen

Eine sehr interessante Sache an der hier vorgestellten App ist, dass sie zum einen natürlich auch Ton übertragen kann. Sie können aber auch über das Mikrofon eines Smartphones auf der Empfänger-Seite zum Smartphone am Spion reden. Also: Es klingelt. Sie zücken Ihr Smartphone bzw. rufen im Browser die IP-Adresse des elektronischen Türspions auf (IP der App). Nun sehen Sie zum einen das Bild durch den Spion. Aktivieren Sie zusätzlich die Audiofunktion, können Sie auch den Ton hören.

Tippen Sie außerdem dieses Symbol an („2-Wege Audio“):

durch die Türspionkamera sprechen

… können Sie über das Smartphone in Ihrer Hand mit der Person an der Tür reden. Sie müssten also hierzu das Sofa nicht verlassen. Zumindest funktioniert dies theoretisch und gibt einem ein gewisses Walki-Talki-Gefühl. Vermutlich wird es Verzögerungen geben und auch die Handhabung über das Webinterface ist recht umständlich. Besser wäre hier eine richtige App.

Bewegungsmelder

Die App, die ich hier getestet habe („IP Webcam“) hat auch einen Bewegungsmelder integriert. Dieser scheint selbst in der kostenlosen Version sehr gut konfigurierbar zu sein. So kann man verschiedene Zonen definieren. Dies sind Bereiche des Bildes, in denen der Bewegungsmelder aktiv ist. Bei allen anderen Bereichen (z. B. ein Fenster mit vorbei fahrenden Autos) springt der Bewegungsmelder dann nicht an.

Akustiksensor

Interessanter finde ich in Bezug zur Nutzung des Smartphones als digitalen Türspion eine Akustik-Erkennung: Klingelt es , aktiviert sich die Kamera. So dachte ich zunächst jedenfalls. Aber sowohl die Akustikerkennung wie auch der Bewegunsgmelder sind offenbar lediglich für die Aufnahmefunktion gedacht: Bewegt sich etwas vor dem Türspion, kann eine Video-Aufnahme gestartet werden. Das selbe gilt dann auch für den aktivierten Akustiksensor. Ich brauche derlei Aufnahmen jedoch nicht und habe dies nicht weiter ausprobiert. Solch ein Akustiksensor wäre auch im rechtlichen Sinne interessant: Denn erst wenn jemand klingelt, sollte sich die Kamera aktivieren können:

Ist das erlaubt?

In einem Mietshaus wie dem meinigen ist solch ein digitaler Türspion offenbar nicht erlaubt. Denn damit hat man permanent eine Aufzeichnungsmöglichkeit von Wegen, die auch andere Personen nutzen (das Treppenhaus). Vermutlich ist es legal bei Einfamilienhäusern bzw. bei einem Einsatz, wo die Kamera auf ein privates Terrain gerichtet ist. Auch eine Nutzung / Aktivierung lediglich nach dem Aktivieren der Haustürklingel wäre offenbar möglich. Doch hierzu lesen Sie bitte entsprechende Urteile. Ich kann dazu nichts genaueres sagen. Ich hatte die Möglichkeit für diesen Praxistest ausprobiert und die Kamera bei mir daheim wieder abgebaut.

Kurzum

Natürlich haben wir hier mit der App „IP Webcam“ und dem Smartphone eine ganz normale IP-Kamera geschaffen. Installiert man das Handy dann mit dessen Kamera direkt hinter dem bereits vorhandenen optischen Türspion der Tür, hat man eben einen elektronischen Türspion, da das Bild nun auf dem Display sichtbar ist und – viel praktischer noch – eben ohne Kabel auf anderen Geräten im heimischen Netzwerk (Laptop, TV, anderes Smartphone).

Wichtig hierbei ist aber, dass man ein langes USB-Kabel für die Stromversorgung des digitalen Spions verwendet, da er natürlich reichlich am Akku nagt. Ich selbst hatte diese Möglichkeit nur einmal aus Interesse getestet: Es funktioniert durchaus sehr gut, auch wenn mein Smartphone ab und an einmal abstürzte. Da muss man einmal ausprobieren, ob das alte Handy hierfür noch taugt. Wenn, dann hat man eine sehr günstige Alternative zu einem echten digitalen Türspion, da viele ja offenbar noch ein altes Smartphone in der Schublade liegen haben.

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Die Ring Door View Cam ist ein Kameramodul, welches Sie anstelle Ihres normalen Türspions installieren. Sie sendet Video + Ton an Ihr Smartphone, Tablet oder Laptop und Sie können über diese Geräte mit dem Gegenüber reden. Außerdem ist die Door View Cam mit Alexa kompatibel (Ankündigungen) und besitzt einen "Rüttelsensor" bzw. meldet Gewalteinwirkungen. Als Stromversorgung wird ein großer Akku verwendet, der leicht von innen ausgetauscht- bzw. geladen werden kann.

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Preis zuletzt aktualisiert am 12. November 2019 um 5:09. Alle Angaben ohne Gewähr.

In meiner kleinen Wohnung benötige ich so etwas eigentlich nicht. Es ist hierzulande auch nicht erlaubt, wenn gemeinsam zugängliche Wege (Treppenhaus) permanent elektronisch einsehbar sind und nach einem kurzen Test entfernte ich die Kamera wieder. Sinnvoll ist ein elektronischer Spion jedoch für größere (private) Einfamilienhäuser (mit langem Weg zur Tür) bzw. für dort wohnende geh-eingeschränkte Personen interessant bzw. ist solch ein Display für Rollstuhlfahrer die einzige Möglichkeit, bei geschlossener Tür in den Hausflur zu blicken. Bei größeren Entfernungen zwischen Smartphone und Router (WLAN-Reichweite) muss man darauf achten, dass das WIFI-Signal noch genügend stark ist und ggf. den Router umstellen (er sollte sich genau in der Mitte der Geräte befinden) oder einen sogenannten „W-LAN-Repeater“ einsetzen.

Artikeldatum: 16.10.2019 / letzte Änderung: 18. Oktober 2019

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leider noch keine Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Der Autor (Thomas) ist durchaus auch ein Freund des Du und freut sich über Kommentare.

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